Bundesweite Streiks im kommunalen Nahverkehr am Montag angekündigt

Hajo Simons
5 min Lesezeit
Bild: KI

Transparenzhinweis – Beitrag mit Unterstützung von KI erstellt

Am Montag, 2. Februar 2026, drohen in vielen Städten Deutschlands massive Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat für diesen Tag bundesweite Streiks in kommunalen Verkehrsbetrieben angekündigt und erhöht damit den Druck in einer Tarifrunde, die sich vor allem um Arbeitsbedingungen dreht. Nach Angaben der Gewerkschaft sind knapp 100.000 Beschäftigte in rund 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben betroffen. In vielen Regionen wird damit gerechnet, dass Busse und Bahnen weitgehend stillstehen.

Bundesweiter Streikaufruf für den 2. Februar

Der Streikaufruf richtet sich an Beschäftigte kommunaler Nahverkehrsunternehmen in allen 16 Bundesländern. Auch in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen soll es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Ziel ist es, die Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen zu konkreten Zugeständnissen zu bewegen. ver.di begründet den Schritt mit aus Sicht der Gewerkschaft unzureichender Bewegung in den bisherigen Gesprächen und mit der hohen Belastung in vielen Betrieben.

Anders als viele Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst steht diesmal nicht primär eine prozentuale Lohnforderung im Vordergrund, sondern der Manteltarifvertrag, also Regeln, die den Arbeitsalltag strukturieren: Dienstpläne, Schichtsysteme, Ruhezeiten und Zuschläge. Genau diese Fragen gelten in vielen Verkehrsbetrieben seit Jahren als zentral, weil Personalmangel und Krankheitsstände die Dienstpläne zusätzlich unter Druck setzen.

Worum es in der Tarifrunde konkret geht

Arbeitszeit, Schichten und Ruhezeiten

ver.di fordert in der laufenden Tarifrunde spürbare Entlastung. Genannt werden unter anderem kürzere Wochenarbeitszeiten, eine Begrenzung von Schichtlängen und eine Reduzierung besonders belastender Schichtfolgen. Außerdem sollen Ruhezeiten zwischen Einsätzen verlängert werden. Aus Sicht der Gewerkschaft sind diese Punkte entscheidend, um den Beruf attraktiver zu machen und Beschäftigte langfristig zu halten.

Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit

Ein weiterer Kernpunkt sind höhere Zuschläge für Arbeit zu belastenden Zeiten, insbesondere nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen. In vielen Betrieben ist Schichtarbeit die Regel, gleichzeitig gilt gerade der Fahrdienst als körperlich und psychisch anspruchsvoll. Höhere Zuschläge sollen nach Darstellung der Gewerkschaft sowohl Anerkennung für diese Belastungen ausdrücken als auch dabei helfen, Personal zu gewinnen.

Regionale Ausprägungen und erwartete Auswirkungen

Obwohl der Streik bundesweit angelegt ist, unterscheiden sich die Auswirkungen je nach Stadt und Verkehrsunternehmen. In einigen Regionen werden ganztägige Ausfälle erwartet, in anderen könnten einzelne Linien durch Partnerunternehmen oder Notfahrpläne teilweise bedient werden. Verkehrsunternehmen informieren häufig kurzfristig über konkrete Betriebszeiten, Ausnahmen und betroffene Linien.

In Berlin rückt zusätzlich die Lage bei der BVG in den Fokus, weil dort parallel über konkrete Arbeitsbedingungen im Betrieb diskutiert wird. In anderen Bundesländern laufen die Verhandlungen meist mit den jeweiligen Kommunalen Arbeitgeberverbänden. In einzelnen Ländern werden neben Arbeitsbedingungen auch Entgeltfragen verhandelt, was die Gemengelage zusätzlich komplex macht.

Arbeitgeberseite: Kosten- und Finanzierungsdruck in den Kommunen

Von Arbeitgeberseite wird in aktuellen Berichten vor allem auf die angespannte Finanzlage vieler Kommunen verwiesen. Zusätzliche Leistungen, etwa bei Zuschlägen oder Arbeitszeitverkürzungen, würden dauerhaft Kosten erhöhen. Gleichzeitig stehen viele Verkehrsbetriebe ohnehin vor Investitionsaufgaben, etwa bei Infrastruktur, Fahrzeugflotten und Digitalisierung. In dieser Situation prallen die Forderung nach Entlastung und der Verweis auf knappe Haushalte besonders hart aufeinander.

Ausblick auf die nächsten Verhandlungsschritte

Der Warnstreik am 2. Februar ist ein Signal, dass ver.di den Konflikt in dieser Tarifrunde zuspitzt. Ob und wie schnell sich beide Seiten wieder annähern, hängt davon ab, ob Arbeitgeber konkrete Angebote vorlegen und ob sich in zentralen Punkten wie Schichtsystemen, Ruhezeiten und Zuschlägen Kompromisslinien abzeichnen. In mehreren Regionen sind weitere Verhandlungsrunden terminiert, die nach dem Streiktag entscheidend dafür sein dürften, ob es bei einzelnen Aktionen bleibt oder die Auseinandersetzung eskaliert.

Fazit

Der angekündigte bundesweite Streik im kommunalen Nahverkehr am Montag, 2. Februar 2026, markiert eine neue Phase in einer Tarifrunde, die sich stark auf Arbeitsbedingungen konzentriert. ver.di setzt auf maximalen Druck, um bei Arbeitszeitregelungen, Ruhezeiten und Zuschlägen Verbesserungen zu erreichen. Gleichzeitig verweisen kommunale Arbeitgeber auf finanzielle Grenzen. Für den Nahverkehr bedeutet das kurzfristig erhebliche Ausfälle, mittelfristig steht jedoch eine Grundsatzfrage im Zentrum: Wie kann der ÖPNV als systemrelevante Leistung stabil betrieben werden, wenn der Arbeitsmarkt im Fahrdienst leergefegt ist und die Belastung hoch bleibt?

Quellen

https://www.dgb.de/service/weiterer-service/tarifmeldungen/tarifmeldung/verdi-ruft-zu-bundesweiten-streiks-im-nahverkehr-auf/

https://www.zeit.de/arbeit/2026-01/ver-di-ruft-bundesweit-zu-streik-im-nahverkehr-am-montag-auf

https://www.n-tv.de/der_tag/Verdi-ruft-zu-bundesweiten-Streiks-im-kommunalen-Nahverkehr-fuer-Montag-auf-id30304114.html

https://web.de/magazine/wirtschaft/verdi-oeffentlichen-nahverkehr-montag-erliegen-41842416

https://www.stern.de/news/verdi-kuendigt-fuer-montag-bundesweit-streiks-im-kommunalen-nahverkehr-an-37090600.html

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