Schleswig-Holstein: 30 Ämter nutzen App zur Meldung von Schlaglöchern und Müll

Hajo Simons
5 min Lesezeit
Bild: KI

Transparenzhinweis – Beitrag mit Unterstützung von KI erstellt

Wer morgens mit dem Rad zur Arbeit fährt oder abends mit dem Hund durch den Ort geht, sieht sie oft zuerst: das neue Schlagloch am Fahrbahnrand, den umgekippten Papierkorb, den wilden Sperrmüll hinterm Glascontainer. In Schleswig-Holstein setzen inzwischen immer mehr Verwaltungen darauf, solche Ärgernisse nicht nur per Telefon oder Formular zu erfahren, sondern direkt digital – per App, mit Foto und Standort. Eine aktuelle NDR-Recherche, die bei Google Trends auffiel, beschreibt, warum mittlerweile rund 30 Ämter im Land bei diesem Ansatz mitmachen und welche Bilanz die Kommunen ziehen.

Wenn Mängelmeldungen in Echtzeit ankommen

Digitale Mängelmelder sind im Kern ein einfaches Versprechen: Eine Beobachtung aus dem öffentlichen Raum wird dort erfasst, wo sie entsteht, und landet ohne Umwege bei der zuständigen Stelle. Statt einer ungenauen Beschreibung am Telefon oder einer E-Mail ohne klaren Ort können Foto, Kategorie und GPS-Position sofort mitgeschickt werden. Viele Systeme erlauben zudem Rückmeldungen oder Statusanzeigen, sodass nachvollziehbar bleibt, ob eine Meldung eingegangen ist und bearbeitet wird.

In der Praxis geht es dabei nicht nur um Schlaglöcher. Häufig gemeldet werden auch defekte Straßenbeleuchtung, beschädigte Verkehrsschilder, Verschmutzungen, illegale Müllablagerungen oder wilder Sperrmüll. Einige Städte und Gemeinden nutzen dafür eigenständige Lösungen, andere setzen auf Plattformen, die von mehreren Kommunen gemeinsam betrieben werden und sich an die jeweilige Verwaltung anpassen lassen.

Warum gerade jetzt so viele Ämter in Schleswig-Holstein mitziehen

Mehr Meldungen, aber auch bessere Daten

Ein zentraler Grund für die wachsende Beteiligung ist die Datenqualität. Je präziser ein Problem verortet und dokumentiert ist, desto schneller kann es im Arbeitsalltag eingeplant werden. Ein Foto zeigt, ob ein Schlagloch nur kosmetisch ist oder eine echte Gefahr darstellt. Ein Standortpunkt reduziert Suchzeiten. Eine einheitliche Kategorisierung erleichtert die Weiterleitung an Bauhof, Tiefbau, Abfallwirtschaft oder Ordnungsdienst.

Entlastung in Zeiten knapper Ressourcen

Viele Verwaltungen stehen unter Druck: Personal ist knapp, Aufgaben werden komplexer, gleichzeitig steigen Erwartungen an schnelle Reaktion. Digitale Meldungen können Prozesse standardisieren, auch wenn sie nicht automatisch weniger Arbeit bedeuten. Sie helfen, Anrufe zu reduzieren, Zuständigkeiten klarer zu trennen und Prioritäten nachvollziehbar zu setzen. Dort, wo Meldungen zentral einlaufen und intern verteilt werden, entsteht weniger Reibungsverlust.

Sauberkeit und Verkehrssicherheit als sichtbare Erfolgsfelder

Schlaglöcher und Müll sind Themen, die unmittelbar wahrgenommen werden. Gerade deshalb eignen sie sich für digitale Werkzeuge: Kleine Maßnahmen erzeugen schnell sichtbare Effekte. Ein geflicktes Loch oder eine entfernte Müllablagerung verbessert das Ortsbild sofort. Das macht digitale Meldesysteme politisch und organisatorisch attraktiv, weil Ergebnisse vergleichsweise schnell messbar und kommunizierbar sind.

Was Apps leisten – und wo ihre Grenzen liegen

Die Technik ersetzt keine Sanierung und keine regelmäßige Kontrolle, kann sie aber ergänzen. Ein Mängelmelder ist besonders stark, wenn es um punktuelle Ereignisse geht: plötzlich aufgebrochener Asphalt, neue Verschmutzung, umgestürzter Baum. Schwächer ist er bei strukturellen Problemen, etwa wenn Straßen über Jahre hinweg grundlegend erneuert werden müssten oder Müll-Hotspots immer wieder neu entstehen. Dann braucht es neben dem Meldekanal auch Ursachenarbeit, Kontrollen und gegebenenfalls konsequente Ahndung.

Hinzu kommt: Nicht jede Meldung ist automatisch ein Fall für die Kommune. Zuständigkeiten können bei Landes- oder Kreisstraßen, privaten Flächen oder bei Sonderfällen liegen. Gute Systeme müssen deshalb nicht nur Meldungen sammeln, sondern auch sauber triagieren, damit aus digitaler Beteiligung kein zusätzlicher Verwaltungsstau wird.

Fazit

Dass inzwischen rund 30 Ämter in Schleswig-Holstein bei App-basierten Mängelmeldungen mitmachen, ist Ausdruck eines pragmatischen Digitalisierungsimpulses: Probleme werden dort erfasst, wo sie auftreten, und können schneller, präziser und transparenter bearbeitet werden. Besonders bei Schlaglöchern und Müll zeigt sich der Nutzen, weil Verbesserungen unmittelbar sichtbar sind. Entscheidend bleibt jedoch, dass digitale Meldungen in funktionierende Arbeitsabläufe, klare Zuständigkeiten und ausreichend Kapazitäten münden – nur dann wird aus der App ein Werkzeug, das den öffentlichen Raum tatsächlich spürbar verbessert.

Quellen

NDR.de: Schlaglöcher und Müll per App melden: Warum 30 Ämter aus SH mitmachen

lomazoma.com: Sperrmüll oder Schlaglöcher melden: Kommunen haben eine gute Bilanz

ADAC: Mängelmelder für den Straßenverkehr – ADAC App „Läuft’s?!“ (https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/unterwegs/adac-app-laeufts/)

Stadt Schleswig: Mängelmelder (https://www.schleswig.de/maengelmelder)

Stadt Norderstedt: Digitales Stadtgeschehen – Mängelmelder (https://www.norderstedt.de/Aktuelles-und-Service/Aktuelle-Projekte/Digitalisierung/Digitales-Stadtgeschehen/)

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