Grippewelle in Baden-Württemberg: Abklingen der Infektionen, aber RSV bleibt problematisch

Hajo Simons
5 min Lesezeit
Bild: KI

Transparenzhinweis – Beitrag mit Unterstützung von KI erstellt

Die Wintermonate 2025/26 haben in Baden-Württemberg wie in vielen Regionen Deutschlands erneut gezeigt, wie schnell sich das Infektionsgeschehen bei Atemwegserkrankungen zuspitzen kann. In den vergangenen Wochen prägten vor allem Influenzaviren die Lage, vielerorts begleitet von hohen Krankheitsständen in Schulen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen. Nun deutet der aktuelle Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) auf eine Trendwende hin: Der Höhepunkt der Grippewelle scheint überschritten. Gleichzeitig bleibt die Situation komplex, denn ein anderer Erreger hält das Gesundheitswesen weiterhin auf Trab: RSV.

Grippewelle in Baden-Württemberg: Der Scheitelpunkt ist überschritten

Der RKI-ARE-Wochenbericht für die 8. Kalenderwoche 2026 (16. bis 22. Februar 2026) beschreibt ein insgesamt rückläufiges Niveau akuter Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung. Auch im ambulanten Bereich sind die Arztbesuche wegen Atemwegsinfekten gegenüber der Vorwoche gesunken. Diese Entwicklung gilt als wichtiges Signal dafür, dass die Grippewelle ihren Höhepunkt hinter sich gelassen hat, auch wenn sie damit keineswegs beendet ist.

Für Baden-Württemberg ist die Einordnung besonders relevant, weil das Land zur Großregion „Süden“ in der RKI-Auswertung gehört. Dort wird ebenfalls ein deutlicher Rückgang geschätzter Inzidenzen für akute Atemwegserkrankungen und grippeähnliche Erkrankungen beschrieben. Das passt zu dem Bild, das sich in vielen Praxen abzeichnet: weniger Neuinfektionen als noch in den Wochen zuvor, zugleich aber weiterhin eine spürbare Grundlast an Patientinnen und Patienten mit typischen Grippesymptomen.

Warum Influenza weiterhin das Geschehen bestimmt

Influenza A bleibt führend, Subtypen prägen die Saison

Trotz der Entspannung bleibt Influenza der dominierende Treiber der Saison. In den Sentinelproben des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) wurden in der 8. Kalenderwoche weiterhin vor allem Influenza-A-Viren nachgewiesen. Seit Beginn der Grippewelle (RKI: ab Kalenderwoche 48/2025) steht insbesondere A(H3N2) im Vordergrund, daneben A(H1N1)pdm09. Für die Versorgung bedeutet das: Auch bei sinkenden Fallzahlen kann es weiterhin zu schweren Verläufen kommen, insbesondere in vulnerablen Gruppen.

Schwere Atemwegsinfektionen gehen zurück, bleiben aber ein Thema

Im stationären Bereich zeigt sich laut RKI ebenfalls ein Rückgang schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI). Gleichzeitig verweist das Institut darauf, dass die SARI-Inzidenz per Nowcasting weiterhin auf hohem Niveau geschätzt wird. In den SARI-spezifischen Diagnosen spielt Influenza mit Abstand die größte Rolle, während COVID-19 nur noch einen sehr kleinen Anteil ausmacht. Für Krankenhäuser bedeutet das: weniger Druck als am Höhepunkt, aber noch keine Rückkehr zur Normalität.

RSV: Das „hartnäckige“ Virus neben der Grippe

Während die Influenzawelle an Dynamik verliert, bleibt RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) ein entscheidender Belastungsfaktor. Der RKI-Bericht beschreibt, dass die RSV-Welle weiterhin anhält und die Aktivität in einzelnen Erfassungssystemen sogar noch zunimmt. Besonders betroffen sind typischerweise Säuglinge und Kleinkinder, aber auch ältere Menschen. In der Praxis kann das zu einer Doppelbelastung führen: sinkende Grippefälle, aber weiterhin volle Kinderambulanzen und eine anhaltende Nachfrage nach stationären Kapazitäten für schwere RSV-Verläufe.

Auch die Abwasserdaten liefern Hinweise auf diese Stabilität: Während die Influenza-A-Viruslast im Abwasser zuletzt rückläufig ist, bleibt die RSV-Last stabil. Solche Trends gelten als hilfreiche Ergänzung zu Melde- und Sentinel-Daten, weil sie das Infektionsgeschehen unabhängig vom Testverhalten abbilden können.

Corona nur noch Randnotiz – aber nicht vollständig verschwunden

COVID-19 spielt in der aktuellen Atemwegssaison eine deutlich geringere Rolle als in früheren Wintern. Der RKI-Bericht zeigt weiter sinkende COVID-19-Fallzahlen im Meldewesen und einen sehr niedrigen Anteil von COVID-19-Diagnosen unter SARI-Fällen. Gleichzeitig bleibt SARS‑CoV‑2 als zirkulierender Erreger präsent, was sich unter anderem in der fortlaufenden Variantenerfassung widerspiegelt. Im Vergleich zu Influenza und RSV ist die aktuelle Krankheitslast jedoch deutlich geringer.

Fazit

Für Baden-Württemberg deutet sich Ende Februar 2026 eine Entspannung bei der Grippe an: Der Höhepunkt ist überschritten, Arztbesuche und allgemeine Aktivität akuter Atemwegserkrankungen gehen zurück. Von Entwarnung kann dennoch keine Rede sein, weil Influenza weiterhin häufig nachgewiesen wird und schwere Verläufe nach wie vor auftreten. Parallel bleibt RSV das „hartnäckige“ Virus der Saison, das besonders bei Kindern und Älteren eine relevante Krankheitslast verursacht. Insgesamt zeigt sich: Das Schlimmste der Grippewelle dürfte überstanden sein, doch die Atemwegssaison ist noch nicht vorbei.

Quellen:

Robert Koch-Institut (RKI): ARE-Wochenbericht KW 08/2026 (25.02.2026), edoc.rki.de/176904/13424

n-tv: „RSV weiter hoch, Corona Randnotiz: Grippewelle ist gebrochen – aber noch nicht vorbei“ (26.02.2026), www.n-tv.de/wissen/RSV-weiter-hoch-Corona-Randnotiz-id30406410.html

Südkurier: „Grippewelle aktuell: Höhepunkt laut RKI überschritten – Vorsicht bei RSV“ (26.02.2026), www.suedkurier.de/bayern/grippewelle-aktuell-hoehepunkt-laut-rki-ueberschritten-vorsicht-bei-rsv-113590573

news.de: „So krank ist Baden-Württemberg: Wie verbreitet sind Corona, Grippe und RSV im Februar 2026?“ (26.02.2026), www.news.de/gesundheit/858233741/corona-grippe-rsv-in-baden-wuerttemberg-aktuell-im-februar-2026-inzidenz-und-neue-faelle-der-krankheiten-laut-rki-stand-26-02-2026/1/

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