Vitamine und Mineralstoffe: Für wen kann Nahrungsergänzung sinnvoll sein?

Hajo Simons
10 min Lesezeit
Nahrungsergänzung kann dann interessant werden, wenn bestimmte Nährstoffe über die Ernährung nur schwer aufgenommen werden oder besondere Lebensumstände vorliegen. Foto: © garpinina / stock adobe

Eine abwechslungsreiche Ernährung versorgt den Körper normalerweise mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Im täglichen Einerlei gelingt es jedoch nicht jedem Menschen, regelmäßig ausgewogen zu essen. Zeitmangel, bestimmte Ernährungsgewohnheiten oder besondere Lebensphasen können dazu führen, dass einzelne Nährstoffe seltener auf dem Speiseplan stehen.

In solchen Situationen stellt sich häufig die Frage, ob ein Multivitamin-Präparat die Ernährung ergänzen kann. Eine pauschale Empfehlung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Ob eine zusätzliche Versorgung überhaupt nötig ist, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab.

Was steckt in Präparaten mit mehreren Nährstoffen?

Produkte mit mehreren Vitaminen verbinden meist verschiedene wasserlösliche und fettlösliche Vitamine mit Mineralstoffen und Spurenelementen. Welche Stoffe enthalten sind, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt teilweise erheblich. Gleiches gilt für die jeweilige Dosierung. Ein genauer Blick auf die Zusammensetzung lohnt sich deshalb vor dem Kauf.

Viele Produkte vermitteln durch lange Zutatenlisten den Eindruck einer besonders umfassenden Versorgung. Die Anzahl der enthaltenen Stoffe sagt jedoch wenig darüber aus, ob die Zusammenstellung tatsächlich zum eigenen Bedarf passt. Auch besonders hohe Mengen sind nicht grundsätzlich von Vorteil.

Vitamine und Mineralstoffe haben unterschiedliche Aufgaben

Vitamin C wird für andere Vorgänge im Körper benötigt als Vitamin D oder die Vitamine der B-Gruppe. Ähnlich sieht es bei Mineralstoffen und Spurenelementen aus. Magnesium, Zink, Calcium oder Eisen erfüllen jeweils eigene Aufgaben und werden in unterschiedlichen Mengen benötigt.

Dadurch wird deutlich, weshalb ein Präparat mit möglichst vielen Inhaltsstoffen nicht automatisch die bessere Wahl ist. Ein großer Teil des täglichen Bedarfs lässt sich über eine abwechslungsreiche Ernährung abdecken. Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und verschiedene Eiweißquellen liefern zahlreiche Stoffe bereits auf natürlichem Weg.

Hinzu kommt, dass sich die persönliche Versorgung nicht allein anhand eines einzelnen Tages beurteilen lässt. Schwankungen sind normal. Interessanter ist vielmehr, wie die Ernährung über einen längeren Zeitraum aussieht.

In welchen Situationen kann eine Nahrungsergänzung infrage kommen?

Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht bei allen Menschen gleich. Alter, Ernährungsweise, Lebensphase und Gesundheitszustand können beeinflussen, welche Mengen täglich benötigt werden. Auch Appetit und Lebensmittelauswahl spielen eine Rolle. Deshalb sollte die Frage nach einer Ergänzung immer individuell betrachtet werden.

Eine Person mit abwechslungsreichem Speiseplan bringt andere Voraussetzungen mit als jemand, der zahlreiche Lebensmittel meidet. Auch längere Phasen mit eingeschränkter Ernährung können Auswirkungen haben. Daraus ergibt sich jedoch noch nicht automatisch ein Mangel.

Einseitige Ernährung kann die Auswahl an Nährstoffen verringern

Eine dauerhaft sehr gleichförmige Ernährung kann dazu führen, dass bestimmte Lebensmittelgruppen nur selten vorkommen. Das betrifft nicht ausschließlich vegetarische oder vegane Ernährungsformen. Auch eine klassische Mischkost kann einseitig sein, wenn überwiegend dieselben Speisen gegessen werden.

Besonders problematisch kann eine geringe Vielfalt werden, wenn gleichzeitig wenig Gemüse, Obst oder Vollkornprodukte auf dem Speiseplan stehen. Dann lohnt es sich zunächst, die Ernährung selbst genauer zu betrachten. Häufig lässt sich bereits durch mehr Abwechslung einiges verbessern. Besteht dennoch der Verdacht auf eine Unterversorgung, kann eine ärztliche Abklärung weiterhelfen. So lässt sich vermeiden, dass Nahrungsergänzungsmittel lediglich auf Verdacht eingenommen werden.

Lebensphasen können den Bedarf verändern

In manchen Lebensabschnitten verändern sich Ernährung und Nährstoffbedarf. Schwangerschaft, Stillzeit oder höheres Alter gehören zu den bekannten Beispielen. Dabei geht es jedoch meist nicht darum, pauschal möglichst viele Vitamine einzunehmen.

Gerade im höheren Alter verändert sich bei manchen Menschen der Appetit. Kleinere Portionen und eine geringere Lebensmittelauswahl können dazu führen, dass bestimmte Nährstoffe weniger häufig aufgenommen werden. Zusätzlich können körperliche Veränderungen Einfluss darauf haben, wie einzelne Stoffe verwertet werden. Auch in solchen Fällen ist eine gezielte Betrachtung hilfreicher als eine wahllose Ergänzung. Besteht ein konkreter Bedarf, lässt sich dieser wesentlich genauer ausgleichen.

Warum die richtige Dosierung so wichtig ist

Auf vielen Verpackungen stehen Prozentangaben zu den sogenannten Referenzmengen. Sie zeigen, welchen Anteil der täglichen Referenzzufuhr eine Portion des Produkts enthält. Dadurch lassen sich verschiedene Präparate besser miteinander vergleichen. Gleichzeitig wird sichtbar, wenn einzelne Inhaltsstoffe sehr hoch dosiert sind.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Gesamtdosis, wenn mehrere Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig verwendet werden. Viele Produkte enthalten ähnliche Vitamine und Mineralstoffe. Dadurch können sich die aufgenommenen Mengen unbemerkt summieren.

Hohe Mengen bringen nicht automatisch mehr Nutzen

Bei Nahrungsergänzung hält sich teilweise die Vorstellung, eine höhere Dosis müsse stärker wirken. Für Vitamine und Mineralstoffe gilt dieses Prinzip jedoch nicht. Der Körper benötigt bestimmte Mengen, darüber hinausgehende Mengen bringen nicht zwangsläufig einen zusätzlichen Vorteil.

Bei einigen wasserlöslichen Vitaminen wird ein Teil überschüssiger Mengen wieder ausgeschieden. Das bedeutet jedoch nicht, dass hohe Dosierungen grundsätzlich unproblematisch sind. Auch hier können unerwünschte Wirkungen auftreten.

Besonders aufmerksam sollte mit fettlöslichen Vitaminen wie A, D, E und K umgegangen werden. Diese können im Körper gespeichert werden. Eine dauerhaft sehr hohe Aufnahme ist deshalb nicht ohne Weiteres mit einer besseren Versorgung gleichzusetzen.

Woran lässt sich ein gutes Produkt erkennen?

Auffällige Verpackungen und große Werbeversprechen sind kein verlässlicher Hinweis auf die Qualität eines Nahrungsergänzungsmittels. Aussagekräftiger sind klare Informationen zu den enthaltenen Stoffen und Mengen. Eine verständliche Deklaration erleichtert, Produkte miteinander zu vergleichen. Auch die empfohlene Tagesmenge sollte eindeutig angegeben sein. Hilfreich ist außerdem ein Blick darauf, ob der Hersteller nachvollziehbare Angaben zur Zusammensetzung macht. Fehlen genaue Mengenangaben oder bleiben einzelne Inhaltsstoffe unklar, erschwert das eine vernünftige Einschätzung.

Transparente Angaben erleichtern den Vergleich

Eine übersichtliche Kennzeichnung zeigt auf einen Blick, welche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten sind. Zusätzlich sollte erkennbar sein, welchen Anteil an der Referenzmenge eine Tagesportion liefert.

Auch Angaben zu den verwendeten Verbindungen können hilfreich sein. Mineralstoffe liegen beispielsweise in unterschiedlichen chemischen Formen vor. Diese unterscheiden sich unter anderem darin, wie sie verarbeitet und vom Körper aufgenommen werden. Unabhängige Laboruntersuchungen können ein weiterer Hinweis auf Qualitätskontrollen sein. Trotzdem bleibt die Zusammensetzung wichtiger als ein auffälliges Qualitätssiegel auf der Verpackung.

Warum Nahrungsergänzung eine gute Ernährung nicht ersetzt

Tabletten, Kapseln oder Pulver liefern einzelne Vitamine und Mineralstoffe in konzentrierter Form. Sie enthalten jedoch nicht automatisch all das, was natürliche Lebensmittel bieten. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte liefern zusätzlich Ballaststoffe und zahlreiche pflanzliche Inhaltsstoffe.

Eine Nahrungsergänzung sollte deshalb nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung verstanden werden. Sie kann dort ansetzen, wo tatsächlich etwas fehlt. Eine dauerhaft einseitige Ernährung lässt sich durch eine tägliche Tablette nicht ausgleichen.

Der tägliche Speiseplan bleibt die wichtigste Grundlage

Zunächst lohnt sich deshalb ein Blick auf die eigenen Essgewohnheiten. Unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte und geeignete Eiweißquellen sorgen für Vielfalt auf dem Teller. Auch kleine Veränderungen können bereits helfen. Mehr Abwechslung beim Gemüse, gelegentlich andere Beilagen oder zusätzliche Hülsenfrüchte erweitern das Spektrum der aufgenommenen Nährstoffe, ohne dass dafür sofort ein Präparat erforderlich ist.

Erst wenn bestimmte Lebensmittel dauerhaft fehlen oder ein zusätzlicher Bedarf besteht, wird die Frage nach einer Ergänzung interessanter. Eine gezielte Auswahl ist dann meist sinnvoller als der Griff zu einem möglichst umfangreichen Produkt.

Was bei Medikamenten beachtet werden sollte

Nahrungsergänzungsmittel werden häufig als unkomplizierte Produkte wahrgenommen, weil sie frei erhältlich sind. Dennoch können einzelne Vitamine und Mineralstoffe die Wirkung oder Aufnahme von Medikamenten beeinflussen. Auch Arzneimittel können ihrerseits Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt haben. Deshalb verdient die Kombination besondere Aufmerksamkeit. Bei einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme empfiehlt sich eine Rücksprache mit einem Arzt oder einer Apotheke. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden.

Mehrere Präparate können sich gegenseitig ergänzen oder überschneiden

Nicht nur Medikamente sind zu berücksichtigen. Auch verschiedene Nahrungsergänzungsmittel enthalten häufig dieselben Stoffe. Ein Produkt für das Immunsystem kann beispielsweise Vitamine enthalten, die gleichzeitig in einem Präparat für Haut oder Knochen vorkommen. Dadurch steigt die tägliche Gesamtmenge, obwohl jedes einzelne Produkt für sich unauffällig dosiert erscheint.

Vor allem bei längerer Einnahme lohnt es sich deshalb, sämtliche Präparate gemeinsam zu betrachten. Ein gelegentlicher Blick auf die Zutatenlisten schafft schnell Klarheit. So lässt sich vermeiden, dass einzelne Vitamine oder Mineralstoffe mehrfach aufgenommen werden, ohne dass dies beabsichtigt ist.

Fazit: Ergänzen sollte nur, was tatsächlich fehlt

Vitamine und Mineralstoffe sind für zahlreiche Vorgänge im Körper notwendig. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Mensch zusätzliche Präparate benötigt. Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt für die meisten Menschen die wichtigste Grundlage der täglichen Versorgung.

Nahrungsergänzung kann dann interessant werden, wenn bestimmte Nährstoffe über die Ernährung nur schwer aufgenommen werden oder besondere Lebensumstände vorliegen. Statt möglichst viele Stoffe auf Verdacht einzunehmen, ist eine gezielte Betrachtung der eigenen Situation sinnvoller. Bei Unsicherheit können Arztpraxis oder Apotheke dabei helfen, den tatsächlichen Bedarf besser einzuschätzen.

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